Schlaaaaand!
Zum WM-Auftakt haben wir am Freitag eine kleine LSV-Interne Runde Fußball gespielt. Insbesondere für die, die meine unglaublichen Fußballkünste kennen, sei hier angemerkt, dass auch ich dabei eines unserer (fünf) Tore geschossen (oder sagen wir „verursacht”) habe. Nach dem Gleichstand und einer guten Stunde in der prallen Mittagssonne einigten wir uns darauf, das Match zu beenden. Nächste Woche spielen wir als Institut gegen die Schlosser vom LMT. Das wird sicher lustig.
Ich jedenfalls war mit Hernán am Trocadéro und habe mir angesehen wie unsere Nationalmannschaft die Australier deklassiert hat. Vier zu null, und vor allem schön gespielt, wie ich finde. Besonders nach dem einschläfernden Frankreichspiel und nachdem bei den Argentiniern nach (sehr spannenden) 10 Minuten die Luft schon raus war. Mir ist gestern auch der gravierende Unterschied im Publikum aufgefallen. Während die in schwarz-rot-gold Gewickelten in guter WM2006-Manier durchweg um den Geräuschpegel besorgt waren, schienen die Franzosen (zumindest dort im Stade Charléty) bei ihrem Spiel eher passiv bis resignierend. Lediglich ein paar Spinner machten dort nach Abpfiff auf sich aufmerksam in dem sie mitten im Stadium Feuerwerk zündeten und wild damit herum fuchtelten. Erbärmlich. Nach viel Rauch und einer Hand voll Security war das aber auch recht schnell wieder vorbei.
Für 54, 74, 90, 2010 ist es vielleicht noch ein bisschen zu früh, Hernán zu fragen, ob sein Team nicht lieber jetzt noch schnell günstige Rückflugtickets für den 4. Juli buchen wollen (vgl. Spielplan), konnte ich mir aber nicht verkneifen.
Dann also jetzt alle: Auf gehts Deutschland schießt ein Tor, schießt ein Tor, schießt ein Tohohor.
Alles prima
Entgegen allen Drohungen ringe ich mich nun doch einmal durch und gebe euch ein Update hier aus Paris. Wie das Wetter ist? Gerade trüb, aber das ist ganz angenehm, es war nämlich die letzte Woche richtig warm und sonnig. Sonne haben wir hier überhaupt recht viel, habe ich das Gefühl. Kein Grund zum Klagen also. Auch gestern Abend war es noch warm genug um auf dem kleinen Hügel hier auf dem Campus beisammen zu sitzen, Bier und Wein zu trinken, zu reden und Musik zu machen. (Weiß eigentlich jemand wie man Grasflecken aus hellen Wildlederschuhen raus kriegt?) Wir, das ist eine durchmischte Gruppe aller möglicher Nationalitäten (wir haben sogar einen echten Franzosen unter uns!) die sich im wesentlichen dadurch ergeben hat, dass man sich abends in der Mensa zum Abendessen trifft. Die Meisten sprechen ganz gut Französich, ich ja weniger, manche gar nicht. Wir enden also meistens in einem lustigen Sprachen-Mix, bei dem sich die Anteile an Französisch, Spanisch, Englisch, Deutsch und Japanisch je nach aktueller Gruppen- und Grüppchenzusammensetzung stetig verschieben. Ich finde das toll und warum die damals in Babel solche Probleme hatten kann ich gar nicht nachvollziehen.
Letzte Woche war James zu Besuch. Es ist ganz angenehm nicht den ganzen Touri-Kram machen zu müssen sondern einfach durch Paris zu schlendern, in einem der vielen riesigen Parks oder einen Café zu sitzen und Abends mit einen Hand voll Leuten los zuziehen und die ausgeprägte Bar-Szene zu genießen. Inzwischen hat man sich dann ja auch an das horrende Preisniveau gewöhnt und freut sich einfach nur noch darüber, dass der Geldautomat doch immer noch mal Geld raus rückt. – Nein, auch wenn es Zeitlich hinkommt, aber James und ich haben mit dem Kunstraub absolut nichts zu tun, wirklich nicht!
Ich habe inzwischen knapp 20 Seiten meiner Arbeit zusammen und es macht einen Riesenspaß. Auch wenn man ab und an mal nach ein paar Tagen Arbeit feststellen muss, dass die getroffenen Annahmen doch nicht so gut sind und das Lemma, zu dem man „später noch irgendwann schnell den Beweis aufschreiben“ wollte, doch nur in einer sehr abgeschwächten Version haltbar ist. Trotzdem bin ich in meiner Absicht bisher durch und durch bestärkt, nach dem Diplom weiter zu machen und noch für eine Weile an der Uni rum zuhängen.
Nun gut soviel erstmal for now, ich hoffe euch gehts gut und ihr freut euch auch schon auf eine der jüngsten Nationalmannschaften aller Zeiten. In ein paar Wochen wissen wir mehr. Ich gehe jetzt den Schlüssel zum Konferenzsaal holen, da steht nämlich ein großer weißer Flügel…
Wiebitte?
Was mein Französisch angeht, habe ich irgendwie nicht das Gefühl, dass ich wahnsinnig große Fortschritte mache. Ich hoffe, das kommt mir nur so vor, schließlich gehe ich doch artig zu allen drei Französischkursen. Das Problem mit den Franzosen ist ja nicht einmal, dass sie einem nicht helfen wollen oder Englisch könnten. Viel mehr scheint denen einfach nicht klar zu sein, dass es nichts hilft, wenn sie es drei mal wiederholen, dabei aber immer noch kein Deut langsamer spre…
In diesem Moment mache ich irgend eine komische Tastenkombination und darf den Text nochmal schreiben. Denn gespeichert hatte ich natürlich nicht. Seit wann kann man denn den X-Server mit Shift-Backspace abschießen?Wo war ich? Ach ja, Französich. Montag vier Stunden am Stück. Tatsächlich. Erst den Kurs „Grand débutant“. Der ist ganz lustig, weil die Lehrerin immer gaaaaanz laaaaangsam spricht und alles dreimal und mit wahnsinn übertriebener Gestig erzählt. Danach geht direkt weiter mit dem Kurs „Ava…
Ich erwische die Tastenkombination nun zum dritte Mal. Wo kann man den Scheiß abstellen?!Also nochmal: Danach gehts direkt weiter mit dem Kurs „Avancé“. Der war auch gar nicht so schwierig, wie ich befürchtet hatte, was vielleicht daran lag, dass die anderen Probleme hatten, den zu übersetzenden Text erst einmal auf Englisch zu verstehen… Richtig anstrengend dagegen war – und das meine ich in einem höchst positiven Sinne – der Kurs, der eigentlich dazwischen liegen sollte: der Kurs „Intermédiaire“. Selbiger ist Donnerstags, bei einer anderen Lehrerin und deutlich besser besucht. Dort haben wir in den letzten beiden Stunden Märchen behandelt, Ein paar hat sie kurz erzählt und eines haben wir gelesen: Von Barbe bleue, der stinkreich ist und seinen Frauen die Kehle aufschneidet. Am Ende wird er natürlich, wie sich das gehört, von zwei Rittern mit dem Schwerte zur Strecke gebracht. (Auf)Geschrieben wurden die Märchen, von Charles Perrault, was wohl die landeskundliche message war.
Kleiner Test. Errate, um welche Märchen es sich handelt (ohne googeln)!: Cendrillon ou La petite pantoufle de verre, Le Petit Chaperon rouge, La Belle au Bois dormant.
Stell dir vor, es brennt und keiner geht hin
Das fehlt uns irgendwie, zumindest in Stuttgart. In fast drei Jahren Pfaffenhof hatten wir nicht ein einziges mal das Vergnügen. Hier bin ich seit nicht ganz einer Woche und wurde gerade vom einem schrillen Gejaule geweckt. Es steht also die Vermutung nahe, dass so ein Feueralarm hier, wie in Oslo, durchaus öfter mal vorkommt. Immerhin befindet sich im Zimmer selbst keine Sirene, dafür kommt hier aber auch nicht einmal die Feuerwehr. Wie langweilig. Die Reaktion der Bewohner bleibt die selbe, nämlich gar keine.
Ansonsten wird es hier nicht langweilig. Dienstag abends schmeißt die hiesige Studentenvereinigung eine Privatparty und weil ich zu neugierig bin, um mir das entgehen zu lassen, überrede ich Chen dazu, mitzukommen. Chen heißt übrigens eigentlich Jiagui Liu aber da das ja kein Mensch aussprechen kann, bleibe ich bei Chen. Wir lernen ein paar Franzosen kennen, die sind auf jeden Fall alle ganz lustig. Punkt zwölf werden die Leute aus dem Studenten-Haus (ein Bisschen wie das Unithekle) vertrieben und pilgern über den Sportplatz in den zur Disco umfunktionierten Keller unter dem Audimax. Von da war es dann auch später nicht mehr weit nach Hause…
Aber nicht, dass ihr jetzt denkt, ich täte nichts. Diese Nacht habe ich mir dafür mit LaTeX und Definitionen rund um LTL um die Ohren geschlagen. Insofern scheint Prof. Ertl mit seiner Aussage, Studienarbeiten seien ja im Prinzip alle implementierungspflichtig, doch Recht zu behalten.
Na das geht ja gut los …
„Das muss man sich mal reintun.“ Hundert Euro. Einfach weg. Weil man selbst dem leicht überfordert wirkenden Bahnangestellten am Fahrkartenschalter noch zutraut, den richtigen Monat auszuwählen. Fehler. Formal: Verletzung der Sorgfaltspflicht. „Naja, also mit der Karte könne sie auf jeden Fall nicht fahren, die ist Abgelaufen.“ Aber da zurück rudern auch nicht in die Tüte kommt, zückt man die Kreditkarte und geht Zähneknirschend auf sein Angebot ein. „Sie haben Glück, es sind noch Liegeplätze frei.“ Immerhin hatte ich das ganze Abteil für mich allein.
Acht Stunden später, Gare de l’Est. Sonnenschein. Zum Gare du Nord laufen und eine Fahrkarte nach Bagneux kaufen. Aber halt. HILFE, DAS IST JA ALLES AUF FRANZÖSISCH! Nach einigen Runden zwischen Übersichtskarten und Fahrkartenautomaten enscheide ich mich für den Schalter. Das schaff ich. „Bongschur, sche wudrä allee a Banjö….“ … „Comment?“ …. „Äh… Yes. One way. Thanks, Bye.“ Mist.
Cachan. Ich Treffe meinen Betreuer und lerne das Institut kennen. Die haben zwar eine komische Unternehmensstruktur, das macht aber nichts. Ich sehe das Büro in dem ich arbeiten werde, nur meinen Tisch gibt es noch nicht. Macht aber auch nichts. Wir gehen noch Essen und ich lernen unter Anderem den SysAdmin und die Kaffeemaschine kennen.
Das Zimmer im Pavillon des Jardins ist Standard. Bett, Schreibtisch, Regal, Schrank, Waschbecken. Die Dusche ist über den Flur. Dieser ist gefühlte hundert Meter lang, hat ebenso viele Zimmertüren und ist wie ausgestorben. Ganz am Ende finde ich die Küche und einen Speiseraum mit verschließbaren Fächern. Später, als ich vom Einkaufen zurück komme treffe ich Chen. Der ist Chinese und ganz lustig, Französisch kann ich von dem aber auch nicht lernen. Naja, morgen ist auch noch ein Tag.